
Oliver, ein fünfjähriger Wohnungskater, wurde uns als Notfall vorgestellt. Er konnte keinen Harn absetzen, seine Harnblase war zum Bersten gefüllt, er hatte starke Schmerzen. Der Urin staute sich zurück bis in die Nieren und führte zum Nierenversagen. Olivers Zustand war lebensbedrohlich.
Ursache war eine Verlegung der Harnröhre durch Harngries im unteren Teil, wo sie beim Kater besonders eng ist. Die Erkrankung tritt daher besonders bei männlichen Katzen auf, und wird im Fachjargon als FLUTD (feline lower urinary tract disease) bezeichnet.
Für Oliver war schnelle Hilfe gefragt: in unserer Praxis angekommen, wurde das Problem glücklicherweise schnell erkannt. Oliver erhielt ein starkes Schmerzmittel; in einer kurzen Sedation konnte die Tierärztin die Blockade der Harnröhre mit einem Harnkatheter freispülen, Blase und Niere wurden so unmittelbar entlastet. Oliver musste an der Infusion bleiben bis es ihm nicht nur klinisch besser ging, sondern sich auch seine Blutwerte normalisiert hatten.
Da Oliver bereits zum wiederholten Mal eine solch gefährliche Episode überstanden hatte, wurde er zwei Tage später in unserer Praxis operiert. Chirurgisch wurde der enge, untere Teil seiner Harnröhre entfernt, so dass eine Verlegung in der Zukunft nicht mehr vorkommen kann. Dank einer Modifikation der klassischen Operationsmethode blieb dabei sein äusseres Erscheinungsbild unverändert. Das Risiko für aufsteigende Harnwegsinfekte ist so gering wie vor dem Eingriff.
Wir freuen uns sehr, dass Oliver sowohl die Notfallbehandlung als auch die Operation gut überstanden hat. Wir wünschen ihm weiterhin alles Gute und hoffen, dass wir ihn künftig nur noch zu den regulären Kontrolluntersuchungen in unserer Praxis begrüssen dürfen.

Bei der modifizierten OP-Technik bleibt im Gegensatz zur konventionellen Penisamputation das äussere Erscheinungsbild erhalten