
Shalyne, 21-jährige Zangerheide Stute
Shalyne, eine 21-jährige Zangersheide-Stute, wurde unserer Praxis wegen einer wiederkehrenden Lahmheit vorne beidseits vorgestellt. Sie ist seit über 10 Jahren bei der gleichen Besitzerin und hat bis vor 3 Monaten nie eine offensichtliche Lahmheit gezeigt. Die Besitzerin hat es zuerst 10 Tage lang mit Schmerzmitteln versucht. Diese haben während der Therapie geholfen, beim Absetzen der Medikamente war Shalyne jedoch auf dem einen oder anderen Vorderbein wieder lahm.
Bei der Untersuchung zeigte sich Shalyne als aufmerksame und freundliche Stute. Und das, obwohl ihre Freunde alle auf der Weide waren und sie mit uns auf dem Hof hin und her traben musste. Ausserdem wurde sie am ganzen Körper abgetastet und mit Nadeln in die Beine „gepiekst“. Zum Schluss musste sie noch einige beinahe „zirkusreife“ Übungen mitmachen.
Während des Abtastens konnten folgende Befunde erhoben werden: Hals und Rücken waren gut bemuskelt und schmerzfrei. An beiden Hinterbeinen waren jeweils die Sehnenscheide und das Fesselgelenk etwas mehr gefüllt als normal. An den Vorderbeinen war vor allem rechts das Krongelenk vermehrt gefüllt, am linken Bein nur ganz wenig mehr als normal. Shalyne ging zum Zeitpunkt der Untersuchung barhuf. Das Abdrücken der Vorderhufe mit der Hufzange zeigte keine Schmerzreaktion und war somit unauffällig.
Dann musste Shalyne zusammen mit ihrer Besitzerin hin und her laufen. Zuerst im Schritt. Geradeaus auf hartem Boden war noch alles gut. Dort zeigte sie keine Lahmheit. Auf der engen Wendung nach links stolperte sie einmal vorne links und fusste vorne rechts konstant etwas vorsichtiger auf als links. Im Trab geradeaus zeigte sie dann aber eine deutlich mittelgradige Lahmheit vorne rechts.
Jetzt kam der Zeitpunkt für die Nadeln. Mit einer sogenannten Leitungsanästhesie haben wir versucht herauszufinden, woher die Schmerzen am rechten Vorderbein kommen. Hierfür haben wir im Bereich der Fesselbeuge vorne rechts ein Lokalanästhetikum an die Nerven gespritzt und anschliessend 7 Minuten gewartet, bis die Wirkung eintrat. Ab diesem Zeitpunkt spürte die Stute den Huf und alle Strukturen in der Fesselbeuge nicht mehr. Beim Vortraben war sie dann tatsächlich viel weniger lahm. Wir wussten also, dass wir die Ursache für die Lahmheit in diesem Bereich finden würden.
Deshalb haben wir das Röntgengerät aufgebaut. Und jetzt kam der Teil mit den „zirkusreifen“ Kunststücken. Shalyne musste mit den Vorderhufen auf Holzklötzen stehen, damit wir gute Bilder ihrer Hufe machen konnten. Wir röntgen in der Regel immer beide Beine zum Vergleich. In diesem Fall aber auch, weil die Stute, wie bereits beschrieben, ab und zu auch links lahm ging.Im Röntgen zeigte sich die Ursache für ihre Lahmheiten: Shalyne hatte eine deutlich fortgeschrittene Arthrose in beiden Krongelenken.


Fortgeschrittene Krongelenksarthrose vorne beidseits
Um Shalyne zu helfen, haben wir uns für folgendes Vorgehen entschieden:
Zuerst haben wir einen Hufschmied hinzugezogen, welcher der Stute die Vorderhufe mit einem spezifischen orthopädischen Beschlag versorgt hat. Dies ist der wichtigste Schritt und wird Shalyne mit grosser Wahrscheinlichkeit am meisten helfen.
In einem weiteren Schritt wollen wir mit direkten Injektionen von Entzündungshemmern wie Kortison und künstlicher Gelenkschmiere die Entzündung in den Krongelenken angehen. Da Shalyne aber bereits 21 Jahre alt ist und damit die Wahrscheinlichkeit erhöht ist, dass sie an PPID (Cushing) leidet, haben wir zuerst einen Bluttest gemacht.
Leider hatte Shalyne bei diesem Test einen grenzwertig hohen Wert. Daher werden wir zuerst das Cushing behandeln und die Injektionen erst verabreichen, wenn diese zugrunde liegende Erkrankung unter Kontrolle ist.
Eine fortgeschrittene Arthrose lässt sich nicht rückgängig machen. Mit einer Kombination aus angepasstem orthopädischem Beschlag, gezielter Behandlung der Gelenkentzündung und der Therapie möglicher Grunderkrankungen können wir jedoch versuchen, die Beschwerden deutlich zu reduzieren und Shalynes Bewegungsfreude und Lebensqualität möglichst lange zu erhalten.
Wir wünschen Shalyne, dass sie mit ihrem neuen Beschlag und der weiteren Behandlung bald wieder möglichst beschwerdefrei unterwegs sein kann – und beim nächsten Mal ihre Freunde auf der Weide nicht ganz so lange auf sie warten müssen.

Der Beschlag für ein Pferd mit Krongelenksarthrose zielt darauf ab, das betroffene Gelenk zu entlasten und das Abrollen zu erleichtern: zurückgesetztes Eisen mit Steg.

Beschlagsmöglichkeit für ein Pferd mit Krongelenksarthrose: Einsetzen einer Sohle zur Stossdämpfung.