Pferde begleiten uns durch das ganze Jahr. Mit jeder Jahreszeit verändern sich Licht, Temperaturen und Umwelt – und damit auch die Bedürfnisse unserer tierischen Begleiter. Eine bewusste Anpassung von Pflege, Fütterung und Aufmerksamkeit hilft, Gesundheit und Wohlbefinden nachhaltig zu unterstützen.
Was gibt es Schöneres, als wenn nach den langen nassen und kalten Wintermonaten die ersten warmen Sonnenstrahlen den Frühling ankünden und die ersten frischen Grashalme spriessen. Für mein Pferd gibt es während dieser Zeit folgendes zu beachten:

Pferde haben ein sensibles Verdauungssystem, welches von verschiedensten Mikroorganismen im Darm lebt, welche fähig sind pflanzliche Stoffe zu zerkleinern. Diese Bakterien sind für die Darmgesundheit des Pferdes essenziell. Über die Wintersaison haben sich die Darmbakterien grössenteils mit Raufutter in Form von Heu ernährt. Eine zu schnelle Umstellung im Frühjahr auf Grasfütterung führt zu einer Überforderung und infolgedessen einem Absterben der Bakterien, was schwere gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann (bsw. Kolik, Durchfall, Hufrehe).
Im Frühling sollte mittels einer Kotprobe die Anzahl Parasiteneier untersucht oder direkt eine Entwurmung verabreicht werden.
Der Fellwechsel ist für das Pferd eine Stresssituation und das Immunsystem wird dadurch vermehrt beansprucht, daher ist das Pferd während dieser Zeit auch anfälliger für Krankheiten, die beispielsweise durch Viren verursacht werden. Das regelmässige Striegeln und Putzen des Pferdes im Frühling hilft nicht nur die Winterhaare loszuwerden, sondern ist für das Pferd auch eine Massage.
Die Sommermonate mit den langen Tagen, den warmen Nächten und den abkühlenden Duschen ein Traum für die Pferde, aber die Hitze und die vielen Insekten sind nicht für alle ein Genuss. Folgende Infos helfen vielleicht den Sommer optimal zu überstehen:
Vor allem bei Tagesweide sind die Fliegen nicht nur eine lästige Plage, sondern können auch zu Augenentzündungen führen.
Auch im Sommer sollte eine Entwurmung gemacht werden bei den Pferden, welche keine regelmässige Kotuntersuchung stattfindet.
Allenfalls braucht das Pferd etwas häufiger den Hufschmied/-pfleger/In, da während den Sommermonaten die Hufe schneller wachsen (Bessere Durchblutung der Hufe, durch vermehrte Bewegung auf der Weide, erhöhte Produktion des Hormons Prolaktin durch mehr Licht, welches die Zellteilung in der Haut fördert).
Grundsätzlich benötigt das Pferd im Sommer weniger Raufutter. Ab einer Weidezeit von 5-6 Stunden wird der Protein- und Vitaminbedarf des Pferdes vollständig gedeckt. Falls die Weidezeiten kürzer sind, braucht es eine entsprechende Zufütterung. Achtung bei Pferden, welche wegen beispielsweise Sommerekzem eine Ganzkörperdecke anhaben. Da das Pferd Vitamin D ebenfalls über die Haut aufnimmt, kann es bei diesen Tieren entsprechenden Mangel geben.

Über eine abkühlende Dusche freuen sich die meisten Pferde. Dabei ist zu beachten, dass zuerst die Hinterbeine von unten nach oben, dann die Vorderbeine und erst dann der Körper von hinten nach vorne mit kaltem Wasser in Berührung kommen sollte.
So schön, das Farbspiel der Blätter an den Bäumen ist, so ist der Herbst für unsere Pferde eine echte Herausforderung. Mit diesen Tipps kann der Übergang erleichtert werden:

Die Produktion des Winterfells ist für das Pferd sehr energieraubend, daher sind viele Pferd etwas müde und wiederum anfälliger für andere Krankheiten. Das Immunsystem läuft auf Hochtouren und kann während dieser Zeit mit beispielsweise Echinaccea (Roter Sonnenhut) unterstützt werden.
Auch im Herbst sollte mittels einer Kotprobe die Anzahl Parasiteneier untersucht oder direkt eine Entwurmung verabreicht werden.
Die Weidezusammensetzung ändert sich und das Pferd frisst wieder vermehrt Raufutter. Der Darm und seine Mikroorganismen muss sich an die neue Futtersituation anpassen. Hier kann mit regelmässiger Mashfütterung (allenfalls mit Salzbeigabe), zusätzlichem Wasser (lauwarm in einem Kessel nach dem Reiten angeboten) und regelmässiger Bewegung gesundheitlichen Problemen, wie Koliken, vorbeugend abgeholfen werden.
Leise rieselt der Schnee oder der kalte Schneeregen. Für viele Pferde und vor allem ihre Reiter-/Innen ist der Winter sicher nicht die beliebteste Jahreszeit. Hier einige Hilfestellungen zum «Überleben» des Winters:

Pferd welche alt, krank oder geschoren sind, sollten zwingend eine Decke haben. Ansonsten ist das «Decken oder Nicht-Decken» sehr individuell und abhängig vom Typ, dem Verwendungszweck und der Haltungsform des Pferdes. (Beachte: Falls ein Pferd zum Scheren sediert werden muss, kommt es durch den Inhaltsstoff der Sedation zu einer Gefässerweiterung und damit zu Schwitzen, daher immer eine Abschwitzdecke zur Verfügung haben).
Nach dem ersten Bodenfrost sollten alle Pferde mit einem Kombipräparat entwurmt werden (unabhängig von vorgängigen Kotuntersuchungen), da es auch Parasiten gibt, welche im Kot nicht nachweisbar sind.
Schon vor dem ersten Schnee sollte mit dem Hufschmied/-pfleger/In die Vorsorge für den Winter besprochen werden (Hufgrip, Hufledersohle, Stollen, Spezialhufschuhe), um ein sicheres Bewegen der Pferde auch auf Schnee/Eis zu gewährleisten.
Das Raufutter (Heu und Stroh) reicht für die Grundversorgung des Pferdes nicht. Während den Wintermonaten sollten Vitamine, Mineralien und allenfalls auch Proteine zugefüttert werden. Vor allem bei älteren Pferden mit schlechten Zähnen empfiehlt es sich frühzeitig auch mit zum Beispiel Heuersatz zu beginnen. Speziell im Winter ist auch darauf zu achten, dass das Pferd genug trinkt (Wasser allenfalls mit Tee, Apfelsaft o.ä. versetzen und im Kessel zusätzlich anbieten).
Genau wie wir, brauchen die Pferde im Winter eine längere Aufwärmphase für die Muskulatur, dazu können auch Übungen vom Boden gemacht werden, so dass auch der Reiter/In dabei warm bleibt.